Erfahrungsbericht von Lea Schaffner

Lea Schaffner war 2015 mit JAM auf einem KITA Makover Einsatz. Zusammen mit anderen Freiwilligen aus der Schweiz, hat sie die KITA Blessings neu aufgebaut. In einem Erlebnisbericht schildert sie ihre Gefühle, als sie das erste Mal ein Township in Südafrika betreten hat:

Ich möchte von einem Erlebnis erzählen, dass ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde.

Das Wochenende vor dem Einsatz  nutzten wir, um mit einem Reiseführer mehr über Johannesburg und seine Geschichte zu erfahren.  Tim (unser Reiseführer) holte uns am Samstag auf der JAM Base ab. Es herrschte eine ausgelassene lockere Stimmung im Auto. Doch als wir an unserem Ziel ankamen fing schon beim Aussteigen mein Herz an zu pochen. Denn ich wusste wir werden gleich ein sehr sehr armes Township besuchen und Dinge sehen, die ich mir zuvor nie hätte vorstellen können.

Ein paar Leute aus meinem Team waren schon einmal hier und versuchten die “Neuen”, mich eingeschlossen, ein bisschen auf das Kommende vorzubereiten. So wusste ich schon ein wenig was mich erwarten wird. Sie sagten: ” habt keine Angst hinzuschauen, sie freuen sich wenn wir kommen”.

Also liefen wir vom Auto zu einer ganz normal aussehenden Siedlung. Ich fragte mich ganz kurz ob wir am richtigen Ort seien oder ob sich unser Reiseleiter wiedermal mehr einen Spass mit uns erlaubte. Doch ich konnte nicht länger darüber nachdenken, denn wir wurden schon von jemandem erwartet. Es war ein junger Mann der uns so herzlich, wie es in Afrika üblich ist, begrüsste. Er sprach mit uns englisch und ich muss zugeben, ich habe nicht viel davon verstanden.

Wir liefen also mit diesem Mann durch die Siedlungen bis hin zu einem Bahngleis. Über die Bahnschienen führte eine Brücke, die als einziger Übergang diente. Gemeinsam gingen wir die Treppe hoch auf die Brücke. Als wir oben ankamen konnte ich dem jungen Mann nicht mehr zuhören. Ich war von diesem Anblick so gefesselt. Wir standen genau über dem Bahngleis und schauten herab. Auf der rechten Seite der Schienen stand die vorhin genannte Siedlung, mit den normalen Häusern. Auf der linken Seite standen Unmengen von Wellblechhütten, Toi Toi WC und Bergen von Abfall. Es waren zwei verschiedene Welten, die nur von einem einzigen Bahngleis getrennt wurden.
Ich lief den anderen wortlos hinterher und probierte zu verstehen was ich sehe. Als wir die Brücke überquert hatten, standen wir schon mitten im Township Kliptown. In meiner Nase breitete sich ein Geruch aus, den ich nicht zuordnen konnte. Ich wusste nur, dass er nahezu unerträglich war.

Immer noch in der Gruppe gingen wir durch dieses Township. Der Weg, auf dem wir liefen war nur Dreck der am Seitenrand von einer offenen Abwasserleitung durchzogen war. Überall standen grüne Toi Toi WC, die von allen Bewohnern benützt und wahrscheinlich nie geleert werden. Hunde liefen durch die Strassen wühlten in den riesigen Abfallbergen herum, um etwas Nahrung zu finden.
Auf einmal kam ein kleiner Junge aus einer Nebengasse und schaute uns mit grossen Augen an. Dann lief er ohne zu zögern auf uns zu und umarmte jeden von uns ganz kurz. Ich war so gerührt von diesem Augenblick, dass ich gar nicht bemerkte, dass inzwischen noch viele weitere Kinder zu uns rannten.
Sie wollten, dass wir sie tragen, mit ihnen Fotos machen und einfach bei ihnen sind. In diesem Moment war ich glücklich, weil die Kinder so viel Lebensmut ausstrahlten. Doch gleichzeitig wollt ich weinen, da ich wusste, dass diese Kinder hier nie eine Zukunft haben werden.

Mit einer Gruppe von Kindern liefen wir noch tiefer in das Township und hielten vor einer der Wellblechhütten.
Der junge Mann, der uns immer noch begleitete erklärte uns, dass in dieser kleinen Hütte seine Tante und ihre 15 köpfige Familie wohnen. Unsere Gruppe musste sich aufteilen um hinein gehen zu können. Ich war in der ersten Gruppe und war gespannt was mich erwartete. Nach dem eintreten standen wir in einem Raum so gross, dass ein kleiner Tisch mit ein paar Stühlen und etwas, dass so aussah als wäre es die Küche, darin Platz fanden.
Angrenzend war noch ein Raum in dem grade mal so viel Platz war um ein Ehebett darin zu platzieren. Auf einem Stuhl sass eine sehr junge Frau mit einem Baby auf dem Arm, das gerade mal ein paar Wochen alt war. Der junge Mann erklärte uns, dass die Familie in Etappen schlafen muss, da nicht alle gleichzeitig einen Platz zum Schlafen haben. Ich konnte mich, wieder einmal mehr nicht auf die Erklärungen des Mannes konzentrieren, da ich einfach von diesem Anblick überwältigt war. Nachdem wir alles betrachtet hatten, durfte noch die zweite Gruppe reingehen.

Als wir alle wieder beisammen waren liefen wir zu unserem Auto, das jetzt irgendwo am Strassenrand beim Township auf uns wartete.
Dort angekommen, holten wir alle unsere Lunchpakete heraus und verschenkten die Esswaren den Kindern. Die einen bekamen einen Muffin die anderen einen Apfel. Und obwohl man sich gewöhnt ist, dass sich alle um den Muffin streiten, waren die Kinder einfach glücklich und dankbar mit dem was sie hatten. Als wir nichts mehr zum Verteilen hatten, stiegen wir in unser Auto und fuhren fort.

Ich denke ich muss an dieser Stelle nicht sagen, dass die Stimmung jetzt nicht mehr sowie am Morgen war. Die meisten hatten ihre Sonnenbrillen auf, und man konnte nicht an den Augen erkennen wie es den einzelnen geht. Dach was man sah, waren die einzelne Tränen die unter der Sonnenbrille zum Vorschein kamen und über die Wangen nach unten kullerten.

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